Worte ohne Handeln

Oder warum ich Satire nicht mag. 

Verstehe mich nicht falsch, ich bin keineswegs ein humorloser Mensch, ganz im Gegenteil. Ich mag guten Humor und ich lache gerne.
Aber ich halte nichts von Satire. Warum das so ist, möchte ich nun näher erläutern.

Satire gilt als eine Kunstgattung, die durch Spott, Ironie und Übertreibung bestimmte Personen oder Zustände kritisieren und verächtlich machen will. Satire bedeutet also, dass man sich über Probleme, seien es Personen oder Zustände, lustig macht und sie durch den Kakao zieht.
Jetzt fragst Du Dich vielleicht, warum ich dem nichts abgewinnen kann. Vielleicht hast Du auch mal gehört, Satire sei eine Waffe. Doch ist das wirklich so? Schauen wir mal.

Satire ist immer ein Zeichen dafür, dass man sich mit einem Problem abgefunden hat. Es bedeutet, dass man so schwach und verzweifelt ist, dass einem nichts anderes mehr übrigbleibt, als sich über dieses Problem lustig zu machen.
Dazu ein Beispiel: Wenn jemand im Knast sitzt, sagt er schon mal sowas wie „Ich mache Staatsurlaub im Hotel zur vergitterten Aussicht“. Er macht sich also über einen Zustand lustig, mit dem er sich abgefunden hat.
Denn sinngemäß bedeutet seine Aussage: „Ich sitze im Knast und kann es nicht ändern. Ich habe mich damit abgefunden, also nehme ich es mit Humor.“ Wenn man sich in einem Zustand befindet, den man wirklich nicht ändern kann, kann ein solcher Humor hilfreich sein.
Macht man sich aber über ein Problem lustig, welches man durchaus beseitigen könnte, führt das zu einer Verharmlosung dieses Problems.
Denn wenn man sich über ein Problem lustig machen kann, entsteht der Eindruck, dass es ja gar nicht ein so schlimmes Problem sein kann. Und wenn ein Problem gar nicht so schlimm ist, macht man sich keine Gedanken darüber, wie man es beseitigen könnte.
Mir fällt z.B. immer wieder auf, dass es ausgerechnet die Merkel-Gegner sind, welche die Merkel liebevoll als „Mutti“ bezeichnen. Das soll wohl so eine Art drittklassige Satire darstellen, aber den Sinn dahinter habe ich nie verstanden.
Zum einen ist es eine Verharmlosung hoch drei, zum anderen ergibt es auch keinen Sinn. Denn eine Mutter ist eine Frau, die eigene Kinder hat. Außerdem muss eine Frau Sex mit einem Mann haben, um eine Mutter werden zu können.
Ich weiss ja nicht, wie es bei Dir ist, aber wenn ich jemanden verachte, dann belege ich ihn nicht mit positiven Ausdrücken. Ich kenne da ganz andere Ausdrücke.
Was mir auch auffällt, ist, dass jedesmal, wenn die katastrophale Politik der Merkel zur Sprache kommt, viele Merkel-Gegner Sprüche wie „Wir schaffen das“ oder „Danke Merkel“ von sich geben. Das soll wohl Spott, Ironie und Übertreibung darstellen.
Aber es ist auch ein Ausdruck ihrer Schwäche und Verzweiflung. Es ist ein Ausdruck dafür, dass sie sich mit diesem Problem abgefunden haben. Und es ist ein Ausdruck dafür, dass sie nicht über Lösungen und Alternativen nachdenken.
Satire führt aber nicht nur dazu, dass man Probleme, mit denen man sich abgefunden hat, verharmlost, sondern es bedeutet auch, dass man Probleme in den Mittelpunkt stellt. Man stellt das in den Mittelpunkt, was man eigentlich ablehnt.
Die Lösungen und Alternativen bleiben dabei aber auf der Strecke. Im Endeffekt ändert und verbessert sich dadurch nichts.

Es war Jack Donovan, der mal sagte, dass Worte ohne Handeln nur Worte sind. Und ist Satire etwas anderes als Worte ohne Handeln?
Darum kann ich Satire nichts abgewinnen. Satire ist für mich vergleichbar mit einem Mann, der sich in einer unglücklichen Beziehung befindet und seine Schrulle vor seinen Kumpels durch den Kakao zieht, aber anschliessend wieder zurück in seine unglückliche Beziehung trottet.
Er handelt nicht, weil er nicht über Lösungen und Alternativen nachdenkt. Und weil er nicht handelt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich mit diesem Zustand abzufinden.
Denn ohne Lösungen und Alternativen kann es kein Handeln geben.

Solltest Du Satire mögen, will ich Dir das nicht verbieten.
Aber vergiss das Handeln nicht.

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